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Überdiagnostik und Übermedikation

Veröffentlicht am: 5. April 2019

„Doctors diagnose, nurses heal and caregivers make sense of it all.“
(Brett H. Lewis)

Überdiagnostik

Viele Patienten/- innen kommen bedrückt in unsere Praxis: „Meine Wirbelsäule ist total verschlissen – das kam beim Röntgen heraus.“ „Ich habe Kalk in meiner Schulter.“ „Ich habe eine Hüftfehlstellung, deswegen habe ich die Schmerzen im Gesäßbereich.“
Solche und ähnliche Aussachen, gepaart mit einer großen Portion Hoffnungslosigkeit, begegnen uns des Öfteren.

Diagnosen über Diagnosen

Unserer Ansicht nach finden Mediziner potentiell in jeder erwachsenen Wirbelsäule sogenannte „Verschleißerscheinungen“ im bildgebenden Verfahren. Ob diese jedoch tatsächlich Ursache der Schmerzen sind ist dagegen fraglich. Es kommt sehr oft vor, dass Patienten/- innen mit MRT-Bildern kommen, die einen Bandscheibenvorfall belegen. Sie gehen daher davon aus, dass ihre Schmerzen von dem Vorfall herrühren. Fragen wir, ob der Patient neben der MRT-Diagnostik auch körperlich untersucht wurde, verneinen die Patienten häufig. Der Bandscheibenvorfall kann aber genauso gut schon älter sein, und wurde nun  per Zufall entdeckt. Nach ein paar manuellen Tests erhärtet sich nicht selten der Verdacht, dass die Bandscheibe gar nicht das Problem ist. Auch die „verschlissene Halswirbelsäule“ muss nicht unbedingt Auslöser der Kopfschmerzen sein.

Wir werden kranker gemacht als wir sind

In Deutschland wird tendenziell überdiagnostiziert. Dadurch werden Patienten/- innen kranker gemacht als sie sind. Das hat nicht nur Auswirkungen auf die Psyche der Patienten/- innen. Mit der Diagnose „Arthrose“ beispielsweise verlieren viele jede Hoffnung auf Heilung („da kann man ja nichts machen“). Es kann auch Probleme bereiten, wenn es um den Wechsel in eine andere Krankenkasse geht. Oder aber wenn Patienten/- innen einen bestimmten Tarif dazu buchen möchten. Je mehr chronische Syndrome die Krankheitshistorie der Antragsteller/- innen aufweist, desto schwerer wird die Aufnahme. Übrigens auch die Aufnahme in gewisse Institutionen, sei es nun die Bundeswehr, die Feuerwehr oder die Sportuniversität. Einer Verbeamtung können solche Diagnosen ebenfalls im Weg stehen.

Das heißt jedoch nicht, dass wir bildgebende Verfahren verteufeln wollen. Im Gegenteil: Sie haben absolut eine Daseinsberechtigung, vor allem dosiert eingesetzt und differenziert beurteilt!

Übermedikation

„Ich nehme ASS 100, Lercanidipin, Lorzaar forte, Metoprololsuccinat, Simvastatin, Duodart, Xarelto und Dulcolax“. Dieser reale Patient nimmt acht verschiedene Medikamente ein. Dieser Fall kommt nicht zu selten vor. Laut einiger Schulmediziner sind die Wechselwirkungen unter den Medikamenten aber ab drei verschiedenen Präparaten nicht mehr auszumachen.

Auswirkungen der Übermedikation

Der Patient im Beispiel klagt über Verstopfung, Wassereinlagerungen, Gewichtszunahme und Husten. Diese Symptome können Nebenwirkungen einiger Medikamente sein, worauf dann wieder Medikamente gegen die Nebenwirkungen eingenommen werden. Dadurch entstehen dann wieder Symptome, weshalb…usw. Die Katze beißt sich in den Schwanz. Ein Teufelskreis.

Kontraindikationen und Wechselwirkungen

Bei der Durchsicht der Medikamente fällt auf, dass zwei den gleichen Wirkstoff haben. Es wird deutlich, dass z.B. ASS nicht in der Kombination mit einigen der aufgelisteten Medikamenten genommen werden sollte. Auf die Nachfrage, wer die Mittel verschrieben hat, zählt der Patient Ärzte verschiedener Fachrichtungen auf. Uns stellt sich in diesen Situationen immer wieder die Frage, ob es da noch jemanden gibt, der den Überblick behält.

Medikamenten-Tagebuch

Es geht nicht darum, Verantwortliche anzuklagen oder mit dem Finger auf diejenigen zu zeigen, die diese vielen Medikamente verschrieben haben. Wir möchten Patienten/- innen lediglich ins Bewusstsein rufen, Verschreibungen grundsätzlich zu hinterfragen. „Was viel hilft, das hat viele Nebenwirkungen.“ An dieser Aussage ist etwas dran. Es kann sinnvoll sein, eine Liste mit den verschriebenen Medikamenten mit sich zu führen, wenn Patienten/- innen die Namen der verschiedenen Präparate nicht im Kopf haben. Auch sollten sie den Hausarzt über die Medikamente informieren und stets auf den neuesten Stand bringen. Aber auch Ärzte/- innen anderer Fachrichtungen sollten wissen, was bereits eingenommen wird, wenn sie etwas Neues verschreiben wollen. Sonst droht verständlicherweise eine Übermedikation.

Patientenrechte

Wir alle als mündige Patienten/- innen sollten konkret nachfragen und ggf. hinterfragen, was die Dosierung und mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten angeht. Auch was den Einnahmezeitraum angeht ist es unser gutes Recht nachzuhaken und auch eine zweite Meinung einzuholen.

TIPP: Hier können bis zu 10 Medikamente auf Ihre Wechselwirkungen gecheckt werden.

Author: Alexander Mallok
Tags: Gesundheitsfaktoren