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Bauchgefühl in der Osteopathie

Veröffentlicht am:

„Der beste Wegweiser ist dein Bauchgefühl.“
(Verfasser unbekannt)

Mit diesem Artikel geht es mir darum, den Begriff Bauchgefühl besser zu ergründen. Wenngleich du für dich vielleicht eine eigene Definition hast, will ich hier aus wissenschaftlichen Gesichtspunkten, aber auch aus alternativmedizinischer Sicht ein paar interessante Fakten zufügen. Während sich die Schulmedizin noch immer eher mit den physiologischen oder anatomischen Aspekten des Bauches befasst, wagen wir gemeinsam einen Blick hinter die Kulisse. Und entdecken richtigerweise, dass im Bauch mehr passiert als nur „Verdauungsvorgänge“.

Überblick über die Baucheingeweide

Wenn Mediziner über den Bauch sprechen, dann meinen sie in der Regel eine Körperhöhlung. Du musst wissen, dass direkt unter deinem Zwerchfell am Ende des Brustkorbes die sogenannte Bauchhöhle beginnt. Diese wird von einer Haut begrenzt, dem Bauchfell. Folgerichtig handelt es sich um einen in sich weitestgehend abgeschlossenen bzw. begrenzten Raum. In der Bauchhöhle befinden sich die Bauchorgane, das sind Magen, Leber, Milz, Dünndarm sowie die größten Anteile des Dickdarms. Bei der Frau kommen noch die Eileiter und die Eierstöcke hinzu. Demzufolge ist schon auf den ersten Blick klar, dass diese Körperregion vor allem mit der Verdauung befasst ist.

Verdauung

Definitionsgemäß ist die Verdauung ein Prozessschritt des Stoffwechsels. Folglich geht es darum, von dir gegessene oder getrunkene Nahrungsmittel so zu bearbeiten, dass Nährstoffe aus dem Darm über die Darmwand ins Blut aufgenommen werden können. Dieser Prozess läuft zum Einen mechanisch ab, über Eigenbewegungen der Organe, zum Anderen werden vom Körper chemische Lösungsmittel benutzt, wie z.B. die Magensäure oder Gallenflüssigkeit. Die Nahrungsmittel werden in ihrer physischen Struktur soweit auseinander genommen und  verändert, bis die kleinsten Nahrungsbestandteile, die Nutrienten, von deinem Körper aus dem Darm aufgenommen werden können. Dabei laufen all diese Prozesse unbewusst ab, du musst nicht einmal darüber nachdenken. Aber wer orchestriert dieses komplexe Zusammenspiel aller Bauchorgane?

Faktencheck zum Thema „Bauchgehirn“

In den sogenannten intramuralen Plexus, den Nervenansammlungen in den Wänden der Baucheingeweide des Magen-Darm-Traktes, finden sich summiert mehr Nervenzellen als im Gehirn. Es ist insofern nicht abwegig, von einem Bauchgehirn zu sprechen. Zumal sich alle Neurotransmitter, also Botenstoffe, in Gehirn und intramuralem Plexus gleichen. Während die Forschung bis vor kurzem davon ausgegangen ist, dass vom Gehirn die Tätigkeit des Magen-Darm-Traktes ausschließlich kontrolliert wird, wird heute folgerichtig von einer Kommunikation zwischen Kopf und Bauch ausgegangen. Mit dem sogenannten Vagusnerv als Kommunikationsverbindung in beide Richtungen, wie du gleich sehen wirst.

Faktencheck Vagusnerv Teil 1

Der Vagusnerv ist einer der sogenannten Hirnnerven und verlässt den Schädel an seiner Basis, um durch den Hals in Richtung Brustkorb zu ziehen. Diesen durchquert er, wobei er u.a. Fasern an das Herz und die Lungen abgibt, und zieht durch das Zwerchfell in die Bauchhöhle. Es ist der längste Nerv des menschlichen Körpers und hat daher vermutlich seinen Namen: vagabundieren = herumziehen. Wird z.B. über die Sinne des Kopfes (= sehen, hören, riechen) eine Gefahr wahrgenommen, kann in Sekundenbruchteilen der Vagusnerv als Impulsgeber des Verdauungssystems abgeschaltet werden. Ist die Gefahr vorüber, so wird der Vagus-Nerv wieder aktiv und stimuliert sowohl Eigenbewegungen des Verdauungssystems als auch die Ausschüttung von Verdauungssäften.

Faktencheck Vagusnerv Teil 2

Darüber hinaus hat der Vagusnerv neueren Erkenntnissen zufolge aber auch eine Informations- und sogar Transportfunktion. Viele neurodegenerative Erkrankungen wie Multiple Sklerose oder die Parkinsonkrankheit sollen demzufolge mit gestörten entzündlichen Prozessen im Darm zu tun haben. Über den Vagusnerv werden bestimmte Stoffe zum Gehirn transportiert und sorgen dort für eine Kaskade von Prozessen, aus denen diese Nervenerkrankungen überhaupt erst resultieren.

Das osteopathische Denkmodell

Für uns Osteopathen/- innen gehört die Behandlung des Abdomens ins Standardrepertoire. Gleichwohl viele Patienten/- innen mit Beschwerden des Bewegungsapparates in die Osteopathie-Praxis kommen. Der Fokus des Patienten liegt im Allgemeinen zumeist auf der Lösung des lokalen Schmerzes. Die Aufgabe des Osteopathen ist es jedoch, darüber hinaus zu untersuchen, wo die Ursache für den Schmerz liegen könnte. Einerseits könnte dem Schmerz eine parietale Ursache wie eine Blockade zugrunde liegen, aber auch Störungen im viszeralen (= Eingeweidesystem) und craniosacralen System (= Zentralnervensystem und seine Hüllstrukturen) können zu Symptomen in einem bestimmten, teils auch entlegenen Gebiet, führen. Über sogenannte Reflexbögen können sich Beschwerden der Verdauungsorgane auf die Wirbelsäule auswirken. Aber es kann auch durch Beschwerden im Rücken zu Symptomen im Organbereich kommen.

Bauchgefühl in der Osteopathie: der Dickdarm Teil 1

Ein weiterer wichtiger Aspekt in der therapeutischen Arbeit ist der Bereich der Emotionen. Wenn der Patient auf emotionaler oder psychischer Ebene ein Störfeld hat, zum Beispiel infolge eines Traumas, kann sich das als Funktionsstörung auf den gesamten Organismus auswirken. Auch die in der  Bauchhöhle liegenden Organe haben alle ihren Bezug zu Emotionen. Ich möchte hier als erstes Beispiel den Dickdarm anführen. In erster Linie ist die Aufgabe des Dickdarms Bildung und Ausscheidung des Kots. Die chinesische Medizin nennt ihn daher richtigerweise den „Entsorgungsminister“. Damit wird auf das Prinzip des Loslassens angesprochen.

Bauchgefühl in der Osteopathie: der Dickdarm Teil 2

Den Prinzipien von Yin und Yang folgend steht er aber auch für das Annehmen. Es erfolgt in Ruhe und mit aller Gelassenheit. Stress und Chaos sind für diesen Prozess nicht förderlich. Das Annehmen steht für das weibliche Prinzip und betrifft im Wesentlichen die linke Körperhälfte. Mit dem Dickdarm verbundene Emotionen sind Trauer und Melancholie. Du kannst daraus folgern, dass bei einer emotionalen Störung, z.B. einer Depression, ein Bezug zum Organ Dickdarm besteht.

Bauchgefühle in der Osteopathie: die Leber

Die Leber hat einen Bezug zu dem emotionalen Thema der Wut. Das begegnet dir auch in unserem allgemeinen Sprachgebrauch, in Sprichworten wie „Mir ist eine Laus über die Leber gelaufen.“ Überschießende Gefühle der Wut, z.B. bei einem Choleriker, deuten also auf Funktionsstörungen der Leber hin. Genauso natürlich ein fehlender Antrieb, der sich im Allgemeinen aus einer Kaskade ergibt die „Frustration, Wut, Langeweile, Motivation“ lautet. Also wird aus Frustration Wut, aus Wut Langeweile und aus Langeweile Motivation. Ist die Wut als integraler Bestandteil dieser Kaskade gestört, so kann sich daraus ebenso eine fehlende Motivation, ergo eine Erschöpfung, ableiten. Folgerichtig würde diese Störung klinisch als Depression wahrgenommen werden.

Bauchgefühle in der Osteopathie: die Gallenblase

Funktionell wird die Gallenblase der Leber zugeordnet. Das macht Sinn, denn die Galle, der Verdauungssaft an sich, wird von der Leber gebildet. In der Gefühlswelt steht die Gallenblase für Verbitterung. Die kann sich nach innen wenden und wiederum in einer Depression enden. Folgerichtig nennt man Menschen, die schwermütig sind, Melancholiker (= Chole ist das griechische Wort für Galle). Gleichsam kann die Verbitterung auch nach außen gerichtet sein. Hierdurch kommt es zu Zuständen, in denen der Betroffene „Gift und Galle spuckt“ und somit von Zorn getrieben sein dürfte. All dies deutet auch auf den Yang-Aspekt der Galle in der Wandlungsphase Holz der chinesischen Medizin hin, also den aktiven und das Handeln bestimmenden Part der Gallenblase im Zusammenhang mit der Leber.

Bauchgefühle in der Osteopathie: der Magen

Magen und Bauchspeicheldrüse zusammen werden oft mit Emotionen wie Ängsten und Sorgen assoziiert. Nicht umsonst stehen z.B. firmenverantwortliche Manager unter einem erhöhten Risiko zum Ausbilden eines Magengeschwürs, auch wenn solche ernsthaften Erkrankungen natürlich multifaktoriell geprägt sind. Eine generelle grüblerische Neigung oder ein gedankliches Kreisen um immer dieselben Gedanken, kann mit einer Funktionsstörung des Magens oder der Bauchspeicheldrüse zu tun haben.

Behandlung der Organe in der Osteopathie: viszerale Techniken

Sind bei einem Patienten emotionale Themen vordergründig auffällig in seinem Verhalten oder in seinen Aussagen, so kann der behandelnde Therapeut das Organsystem untersuchen. Auffällige Funktionsstörungen, also Spannungen, eingeschränkte Beweglichkeit, Durchblutungsstörungen o.ä. können den Osteopathen veranlassen, das Organsystem zu behandeln. Kurz gesagt will ich dir mitteilen, dass es meiner Erfahrung nach nicht selten vorkommt, dass sich emotionale Zustände während oder nach der Behandlung verändern. Es ist aber eben oft nicht nur ein generell „gelöster“ oder entspannter Zustand zu verzeichnen, schon während der Behandlung fließen manchmal Tränen, oder der Patient fängt spontan an zu grinsen oder zu lachen. Wie viele Patienten auch im Nachhinein von veränderten Gefühlszuständen berichten ist schlicht frappierend. Häufig erleben auch die nicht therapeutisch tätigen Teile des Teams diesen Wandel und kommen in der Pause verwundert zu mir, um von der wundersamen Wandlung des Gemüts des Patienten zu berichten.

Fazit

Auch eine von dir wahrgenommene emotionale Störung kann ihren Ursprung auf einer körperlichen Ebene haben. Anders herum werden bestimmte Emotionen Einfluss auf die körperliche Ebene haben. Somit resultieren emotionale Verletzungen regelmäßig auch in körperlichen funktionellen Störungen. Eine osteopathische Behandlung kann dir hier möglicherweise zu einer verbesserten Gesundheit verhelfen. Wenn du mehr über den Autor und seine Praxis- oder Coachingtätigkeiten erfahren willst, folge diesem Link. Wenn du einen Termin in seiner Praxis vereinbaren möchtest, dann schau gerne hier vorbei.

Author: Alexander Mallok
Tags: Osteopathie