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Tennisellenbogen

Veröffentlicht am:

„If you understand the mechanism the treatment is simple.“ (W.G. Sutherland)

Multifaktorielle Genese bei Ellenbogenschmerzen

Schmerzen im Bereich des Ellenbogens sind in der osteopathischen Praxis häufig vorkommende Beschwerden. Viele Patienten/- innen leiden oft schon seit einer geraumen Weile unter diesen in der Regel belastungsabhängigen Schmerzen. Daher verwundert es mich schon nicht unerheblich, wie viele der Hilfesuchenden in meiner Praxis eine simple Erklärung für das Problem vermuten. In der Regel wollen sie nur einmal an der Halswirbelsäule „eingerenkt“ werden, damit die Schmerzen sich möglichst bald wieder in Wohlgefallen auflösen. (Leider) ist es jedoch nicht so einfach, diesen oft chronischen Schmerzgeschehen beizukommen. Grund dafür ist die häufig multifaktorielle Genese. Mit diesem Artikel möchte ich dazu beitragen, Klarheit über die Entstehung und die potentiellen Behandlungsmöglichkeiten beim Tennisellenbogen zu liefern. Dabei werde ich sowohl die schulmedizinische als auch die komplementärmedizinische Seite betrachten.

Entstehung des Tennisellenbogens

Der Tennisellenbogen genau wie sein am innen liegenden Ellenbogen auftretendes Pendant, der Golferellenbogen, sind erworbene Beschwerden der Sehnenansätze, Sehnenscheiden, Schleimbeutel oder Übergangsstrukturen zwischen Sehne und Knochen (Knochenhautreizungen). Häufig lässt sich die Entstehung auf eine körperliche Überbelastung im sportlichen Sinne zurückführen, manchmal waren auch lang anhaltende ungewöhnliche Tätigkeiten im Haushalt, Garten oder Büro der Auslöser.

Schulmedizinische Klassifizierung: Epicondylitis

Wichtig zu wissen: In der Ätiologie der Schulmedizin wird die sogenannte „Epicondylitis“ als entzündliches Geschehen klassifiziert. Eine insgesamt entzündliche Neigung des Körpers spielt insofern eine gewisse Rolle. Diese kannst du beim Arzt oder Heilpraktiker über Messung des CRP-Wertes oder die Blutsenkung (BSG) im Blut ermitteln. Natürlich ist es unrealistisch zu denken, die Belastung eines so kleinen Areals wie der Sehnenansätze des Ellenbogens würde zu bedeutenden Veränderungen der Entzündungswerte des Blutes beitragen. Daher: Sind die genannten Werte auffällig, zeigt sich uns ein insgesamt entzündlicher Zustand des Körpers, der die Beschwerden des Ellenbogens begünstigt – nicht andersherum. 

Fehlhaltung und Überbeanspruchung als Auslöser für einen Tennisellenbogen

Meist sind es wiederkehrende Erschütterungen, die zu der finalen Entstehung des Tennisellenbogens beitragen. Besonders verkrampfte und mit hoher Anstrengung verbundene Handtätigkeiten begünstigen die Beschwerden, z.B. Bouldern, Hanteltraining oder eben Racket-Sport. Wie schon gesagt kann aber auch eine über Stunden ausgeführte Computermaustätigkeit als körperlicher Auslöser der Problematik ausreichen.

Symptomatik beim Tennisellenbogen

Typisch für die oft als „Tennisellenbogen“ klassifizierten Beschwerden sind die speichenseitig liegenden, belastungsabhängigen chronischen Schmerzen. Die Schmerzqualität wird von den Patienten/- innen oft als „ziehend“ oder „brennend“ beschrieben. Sehr häufig ist die Symptomatik durch schmerz- und entzündungsstillende Medikamente wie z.B. Ibuprofen nicht besonders gut beeinflussbar. Im Gegensatz zu vielen typischen entzündlichen Problemen des Bewegungsapparates sind die Epicondylitiden (Tennis- & Golferellenbogen) nicht dazu geneigt, ohne Bewegungs- oder Belastungsreiz zu schmerzen. Besonders die für viele entzündliche Beschwerden typische Verschlimmerung durch Bettwärme besteht in der Regel nicht.

Schulmedizinische Therapie des Tennisellenbogens

Wie schon erwähnt ist die Klassifizierung des Tennisellenbogens in der Schulmedizin eindeutig: Es handelt sich um eine Entzündung. Dementsprechend wird mit selten mehr oder zumeist minder guten Erfolgen antientzündlich therapiert. Die genannten Schmerz- und Entzündungsstiller bleiben meist ohne großen Effekt, auch wenn der Ansatz hilfreich sein kann, eine allgemein entzündliche Neigung des Patienten zu therapieren. Dazu jedoch später mehr, denn dafür braucht es meistens mehr Anstrengung als die Einnahme von Ibuprofen. Eine lokal antientzündliche Therapie besteht seitens des Arztes in der Regel aus Spritzen mit Hydrocortisol. Der Versuch der Kortisontherapie kann funktionieren, aber auch sehr unangenehme Folgen nach sich ziehen, wenn nämlich „übertherapiert“ wird. Denn Kortison ist ein kataboles Hormon. Es baut demnach Gewebe ab und kann im ungünstigsten Fall zu einer Schädigung des Sehnengewebes beitragen. Mehr als 3 Anwendungen sollten demnach vom Patienten abgelehnt werden. Wenn bis dahin keine deutliche Besserung eingetreten ist, ist diese aber auch nicht mehr zu erwarten.

Physiotherapeutisches Vorgehen beim Tennisellenbogen

Auch die Physiotherapie hat ihren (wichtigen) Stellenwert in der schulmedizinischen Therapie. Es sind vor allem die Maßnahmen der Physiotherapie, die häufig den ersten langfristig lindernden Effekt auf die Symptomatik haben. Hier kommen vor allem Maßnahmen der manuellen Therapie, Dehnungsübungen und physikalische Reiztherapien wie Strom, Stoßwellen- oder Ultraschalltherapie zum Einsatz. All diese Therapien haben einen grundlegend stoffwechsel- weil durchblutungsfördernden Charakter und deuten damit auf einen der wichtigsten (wirklichen) Entstehungsfaktoren der „Erkrankung“ hin: die Durchblutungs- bzw. Versorgungsstörung.    

Ganzheitliche Sicht auf die Entstehung des „Tennisellenbogens“ Teil 1

Wie schon erwähnt ist die ganzheitliche Sicht auf dieses scheinbar unkomplizierte Beschwerdebild eine andere als die der arg vereinfachten universitären Medizin. Die relativ bescheidenen Erfolgsquoten der tradierten Herangehensweise lassen keinen anderen Schluss zu. Aus holistischer Sicht entscheidend ist eben nicht die Entzündung „alleine“, sondern die Unterversorgung des Ellenbogens und der geschädigten Strukturen. Diese werden also nicht durch die körperliche Belastung an sich, sondern das Missverhältnis aus Belastung zu Versorgung geschädigt. Mit dem Mangel an Durchblutung bzw. Versorgung kommt es zu einem Mangel an Nährstoffen und vor allem Sauerstoff. Ist eine Vorschädigung vorhanden, oder die angesprochene „Überbelastung“ hält zu lange vor, kann es zu den beschriebenen Beschwerden kommen. Diese zeichnen sich vermutlich durch eine auf mikroskopischer Ebene stattfindende strukturelle Veränderung des Sehnengewebes oder seiner Ansätze an die Knochenhaut aus.

Ganzheitliche Sicht auf die Entstehung des „Tennisellenbogens“ Teil 2

Der Körper versucht durch die entstehende lokale Entzündung, die Versorgungsstrecke vor Ort zu verbessern. Dazu muss man verstehen, dass die Entzündung vor allem die lokale Durchblutung verbessert – daher die Symptome der Schwellung, Rötung und Überwärmung. Diese an sich physiologische Reaktion kann heftig ausfallen, wenn der Körper in einer schon zuvor entzündlichen Stoffwechsellage war. Daher ist ein gesunder Stoffwechsel mit ausgewogener neurovegetativer oder neurohormoneller Lage unerlässlich für eine gesunde Immunantwort auch bei lokalen entzündlichen Reaktionen. Osteopathie und die ganzheitliche Laboranalyse bzw. Stoffwechseltherapie versuchen, diese Reaktionslage wieder herzustellen. Die Betroffenen selber können mit vollwertig-pflanzlicher Ernährung, Meditation und angemessener körperlicher Betätigung dazu beitragen. 

Therapie des Tennisellenbogens aus ganzheitlicher Sicht: Ernährung

Als erstes bietet sich bei einem Beschwerdebild wie dem des Tennisellenbogens tatsächlich an, die Ernährung zu optimieren. Damit wird allgemein die entzündliche Neigung des Körpers reduziert und zu einer optimalen neurohormonellen Bilanz beigetragen. Insbesondere auf folgende Komponenten solltest du bei der Ernährung achten:

– regelmäßige Einnahme von Curcumin (dem Wirkstoff des Kurkuma) in Verbindung mit Piperin (dem Wirkstoff des schwarzen Pfeffers). Piperin hilft bei der Absorption des Curcumins aus dem Magen-Darm-Trakt und aktiviert seine antientzündlichen Eigenschaften.
– regelmäßige Einnahme genügender Mengen an Omega 3-Fettsäuren. Dazu sind besonders hochwertige Öle wie z.B. das Öl goldener Leinsamen geeignet. Diese sollten DHA & EPA in geeigneter Menge enthalten, alternativ große Mengen an Alpha-Linolensäure. Aus der kann dein Körper selber Omega 3-Fettsäuren herstellen.
– Viele Mineralstoffe und Vitamine haben eine allgemein antientzündliche Wirkung. Dazu zählen u.a. Vitamin C und E, Zink und Selen. Daher sollte deine Ernährung vor allem abwechslungsreich sein, aber so viele vegetabile Komponenten wie möglich umfassen. Heißt im Klartext: Iss soviel Gemüse und Obst wie möglich – eine Empfehlung, die auch die Fachgesellschaften für Ernährung weltweit abgeben.
– Verarbeitete Nahrungsmittel sind oft arm an Nährstoffen wie Vitaminen und Mineralien, daher solltest du Nahrungsmittel wie diese bestmöglich meiden.

Therapie des Tennisellenbogens aus ganzheitlicher Sicht: Bewegung

Generell kann es sinnvoll sein, die Bindegewebe und Muskeln des Armes zu kräftigen und flexibel zu halten. Dafür eignen sich Maßnahmen des funktionellen Trainings wie z.B. Yoga oder Pilates hervorragend. Im „Erkrankungsfalle“ ist ein gezieltes Dehnungsprogramm für die Ellenbogenregion unterstützend genau so sinnvoll wie Maßnahmen der „Selbstmassage“, z.B. mit einem Faszienball.

Therapie des Tennisellenbogens aus ganzheitlicher Sicht: Osteopathie

Osteopathen/- innen legen ein besonderes Augenmerk auf die Durchblutung einer funktionsveränderten Region. Die Weit- bzw. Engstellung der Gefäße der oberen Extremität hängt neurologisch gesehen an den sympathischen Grenzstrangganglien der oberen Brustwirbelsäule. Blockaden der oberen bis mittleren Brustwirbelsäule werden also einen Einfluss auf die Versorgung der Ellenbogenregion haben. Die Muskeln dieser Region werden motorisch aus der unteren Halswirbelsäule heraus innerviert. Auch dies kann für die Entstehung bedeutsam sein. Nehmen wir den typischen Fall eines Tennisspielers an, der einen Ball heran fliegen sieht und ihn retournieren will. Sein Nervensystem wird den Schlag nun so koordinieren, dass die den Schläger haltende Unterarmmuskulatur auf den Punkt genau anspannt, wenn der Ball die Bespannung des Rackets trifft. Problematisch ist, wenn Blockaden der Halswirbelsäule genau diese Anspannung neurologisch um eine hundertstel Sekunde hinauszögern, denn dann wird der Schlag die „statischen“ Anteile der Weichteile am meisten belasten – was wiederum die Sehnen und Bänder bzw. deren Ansatzpunkte an der Knochenhaut sind.

Therapie des Tennisellenbogens aus ganzheitlicher Sicht: Der Bewegungsapparat in der Osteopathie

Aus diesem Grund macht eine manipulative Therapie der oberen Brust- und unteren Halswirbelsäule Sinn ebenso wie eine Behandlung muskulärer „Engpässe“ der oberen Extremität, durch die Blutgefäße verlaufen, die den Ellenbogen als Region versorgen. Auch statische Beschwerden, resultierend aus Problemen der unteren Extremität oder des Beckens, werden sich über den Schultergürtel hinweg auf die Funktion der oberen Extremität auswirken. Ein Beispiel dafür wäre ein erworbener Beckenschiefstand mit kompensatorischer erworbener Skoliose. Diese wird die Beweglichkeit zumindest einer Schulter in Richtung Abspreizen erheblich verkleinern.

Therapie des Tennisellenbogens aus ganzheitlicher Sicht: Die Leber in der Osteopathie

Last but not least haben wir in der Osteopathie auch ein Augenmerk auf das Stoffwechselsystem. Besonders die Leber spielt meiner Erfahrung nach bei allen Sehnen- und Bänderproblemen eine nicht untergeordnete Rolle. Das sieht auch die tradierte chinesische Medizin (TCM) so, die der Leber den Titel „Meister der Sehnen und Bänder“ gibt, weil sie in alle regenerativen Prozesse eingebunden ist. Als Organ der Wandlung und Veränderung baut sie z.B. aus den konsumierten Aminosäuren körpereigene Proteine. Eine gute Sache bei einer verletzten Struktur im Sehnen- & Bänderbereich. Daneben wird besonders die rechte obere Extremität durch bindegewebige „Züge“ aus der Leberregion beeinflusst. Will sagen: Bei einem funktionellen Leberproblem mit Spannungen z.B. der kapsulären Aufhängungen des Organs am Zwerchfell werden diese Spannungen über Lungen- & Rippenfell auf den Schultergürtel übertragen. Dies beeinflusst die Beweglichkeit der rechten Schulter und bringt somit Probleme der gesamten rechten. oberen Extremität mit sich.

Exkurs: Traditionelle chinesische Medizin

Weil ich die TCM erwähnte: In der chinesischen Medizin ist ein weiterer „versorgender“ Faktor neben Blut (Xue) das feinstoffliche Qi. Dieses fließt auf Energieleitbahnen, die den Körper überziehen. Stagnationen des Qi in einer Region wie dem Ellenbogen können dort zu körperlichen Beschwerden und Schmerzen führen. Darüber hinaus zieht die TCM als „ganzheitliche“ Methode übergeordnete bzw. systemische Faktoren mit ein. Die Leber ist im oben stehenden (osteopathischen) Kontext schon erwähnt worden. Auch physikalische Faktoren wie Feuchtigkeit oder Hitze spielen in der TCM eine große Rolle. Das ist nicht verwunderlich, bedenkt man die Arbeitsbedingungen insbesondere der Bauern im China vergangener, vorindustrieller Zeiten. Die Kombination aus Wind mit Feuchtigkeit oder Hitze (Bi-Syndrom) kann ebenfalls zu lokalen körperlichen Beschwerden führen. Diese sind jedoch oft „beweglicher“ Natur – mal hier, mal dort. Man kann von den aus westlicher Sicht typischen Syndromen des Rheumas oder Weichteilrheumas sprechen. All diese Probleme werden in der TCM mit einer geeigneten Kombination aus Phytotherapie, manueller Therapie, Schröpfen und Akupunktur therapiert.

Therapie des Tennisellenbogens aus ganzheitlicher Sicht: Faszientherapie

Last but not least möchte ich auf die Bedeutung der Faszien in der Therapie eingehen. Im Rahmen des Fasziendistorsionsmodells (FDM) werden Beschwerden wie der Tennisellenbogen als Faszienproblematik gesehen. Dem Namen nach haben die Faszien infolge z.B. eines Traumas oder einer Überbelastung eine „Verdrehung“ oder „Verrenkung“ (lat. Distorsion) erlitten. Insgesamt zeigt sich am häufigsten eine sogenannte Triggerbandproblematik, im FDM als TB abgekürzt. Diese geht laut Systematik des FDM mit „ziehenden“ oder „brennenden“ Schmerzen einher – genau wie durch die Patienten/- innen berichtet. Sehr oft zeigen die Patienten/- innen mit den Fingern kleine „Linien“, entlang derer sie die Schmerzen verspüren. Ähnlich wie bei der Stäbchentherapie der Physiotherapie werden diese „verdrehten“ Faszien mit großer Kraft durch den FDM-Therapeuten behandelt. Idee ist, die verdrehten Fasern aufzubrechen, auszudrehen und aneinanderzufügen. In Wahrheit ist es vermutlich eher ein hydrierender Effekt, der sich positiv bemerkbar macht – Faszien bestehen zu über 80 % aus Wasser.

Fazit zum Thema Tennisellenbogen

Der Tennisellenbogen als Krankheitsbild hat viele Gesichter. Entsprechend kann er auf viele Arten und Weisen behandelt werden. Es gilt zu wissen, dass es sich in der Regel um ein multifaktorielles Geschehen handelt, das nicht einfach zu behandeln ist. Der Kombination aus lokalen, durchblutungsfördernden Reizverfahren und systemischer Therapie – insbesondere antientzündlicher – kommt ein hoher Stellenwert zu. Komplementärmedizinische Verfahren bieten viele verschiedene Ansätze, um eine klassisch-schulmedizinische Behandlung zu unterstützen oder gar zu ersetzen. Wobei gerade Verfahren der physikalischen Therapie durchaus einen guten Nutzen haben.
 
Wenn du an einem therapieresistenten Tennisellenbogen leidest oder generell Fragen zu Themen deiner Gesundheit hast, hier findest du die Praxiswebsite des Verfassers dieses Artikels. Alternativ lässt sich Alexander Mallok als Gesundheitscoach zu einer Reihe von Themen buchen – nähere Informationen dazu findest du hier.