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Stress und Erschöpfung – wie Osteopathie helfen kann

Veröffentlicht am: 25. Juli 2018

Die ge- bzw. überstresste Gesellschaft

Stresszustände und Erschöpfung sind alltägliche Symptome, mit denen die Patienten/- innen zu uns in die Praxis kommen. Viele von ihnen berichten primär über andere Beschwerdebilder, z.B. Rücken- oder Nackenschmerzen. Im Laufe der Anamnese kommen wir jedoch gemeinsam häufig dahinter, dass Themen rund um das Thema Erschöpfung eine große Rolle spielen.

Körperintelligenz

Unser Körper ist in erster Linie sehr clever und macht nichts ohne Grund. Er kann, wie wir in der Praxis propagieren, auf unterschiedlichen Ebenen ein Problem entwickeln: auf der körperlichen, der psychischen und der biochemischen. Unser System ist immer bestrebt, ein Gleichgewicht zu erzielen. Das bedeutet auch, dass die Ebenen manchmal verschwimmen. So kann eine psychische Erschöpfung in Folge von Stress im späten Stadium auffällige Leber-, Nieren- oder Schilddrüsenwerte mit sich bringen. Oder aber der chronische Knieschmerz oder der Hautausschlag können Folge einer andauernden Überlastung auf psychischer Ebene sein.

Trauma und Kompensation

Unser Körper ist -wie eben erwähnt- bestrebt, ein Gleichgewicht zu erzielen bzw. aufrecht zu erhalten. Bereits in den Anfängen werden wir immer wieder mit „Traumata“ konfrontiert. Stress können wir bereits im Mutterleib ausgesetzt sein. Auch ein Kaiserschnitt oder eine Saugglockengeburt beispielsweise bedeuten erste Traumata auf allen drei Ebenen. Bereits in diesen jungen Jahren ist unser Körper das erste Mal gefragt und hilft sich selbst durch kompensatorische Muster. In späteren Jahren sind diese Prozesse immer wieder aufs Neue gefragt: ein Sturz vom Pferd, Lernstress während der Masterarbeit, Druck bei der Arbeit, 70-Stunden-Wochen usw. Die Liste ist lang.

Körperliche Warnsignale

Die Ressourcen unseres Körpers sind jedoch nicht unerschöpflich. Muss unser System ständig kompensieren und hat nie die Chance sich zu regenerieren, so kann das berühmte „Fass“ irgendwann „überlaufen“. Dazu kommt manchmal ein soziales Umfeld, welches unser „Nicht-in-der-eigenen-Mitte-bleiben“ nicht auffangen kann. Unser Körper warnt uns dann mit Signalen wie eben einem „Knieschmerz“, „Herzrasen“ oder „Haarausfall“., was ziemlich zuvorkommend ist. Er könnte ja auch gleich mit einer schlimmeren Erkrankung um die Ecke biegen. 🙂

Osteopathie bei Stress und Erschöpfung

Es gibt nicht DIE manuelle Technik oder DEN Knopf, den man drücken muss, und alle Symptome sind wie weggeblasen. Die Osteopathie ist bestrebt, durch verschiedene Arten von „Techniken“ den Organismus so zu unterstützen, dass der Körper sich wieder besser selbst helfen kann. Osteopathen/- innen versuchen immer, den Körper ressourcenorientiert zu behandeln. Von daher läuft eine osteopathische Behandlung bei einem Beschwerdebild, bei welchem Stress und Erschöpfung eine Rolle spielen, ab wie immer. Es wird behandelt, was bei der Untersuchung gefunden wird. Man kann aber festhalten, dass sich Befunde häufen. So behandeln wir oft die Anteile des vegetativen Nervensystems, die Nieren mit den Nebennieren, die Schilddrüse, das Herz und die Leber.

Das vegetative Nervensystem

Die Anteile des vegetativen Nervensystems liegen im Bereich des Kopfes und der oberen Halswirbelsäule, dem Kreuzbein sowie der Brustwirbelsäule. Es gliedert sich in zwei Anteile: den Sympathikus und den Parasympathikus. Der Sympathikus ist für alle „fight and flight“-Situationen wichtig, der Parasympathikus für alle unwillkürlichen Reaktionen, die in Ruhe stattfinden wie zum Beispiel die Verdauung. Schmerzen im Schulter- und Nackenbereich, Kopfschmerzen, Tinnitus, Schwindel sowie Schmerzen im oberen oder unteren Rücken können mit Stress assoziierte Probleme sein.

Der Körper in Alarmbereitschaft

Wenn wir ständig „unter Strom“ stehen, so überwiegt unser Sympathikus. Wir sind also ohne Pause in Alarmbereitschaft. Die Nebennierenrinde muss vermehrt Stresshormone wie Adrenalin und Cortisol ausschütten, was über eine längere Dauer zu einer Erschöpfung der Nebennieren führen kann. Da über die hormonellen Regelkreise die Schilddrüse eng verbunden ist mit der Nebenniere, kann es bei einer chronischen Belastung auch zu Spannungen im Bereich der Schilddrüse kommen mit Engegefühl im Halsbereich oder sogar mit einer Autoimmunreaktion derselbigen.

Stress und Organbezug

Auch die traditionell chinesische Medizin behandelt auf energetischer Eben häufig die Achse Herz-Leber-Niere. In der antroposophischen Medizin ist die Behandlung der Leber bei Depressionen ein zentraler Behandlungsansatz. Wichtig ist, dass eine Leber- oder Nierenschwäche in osteopathischer Sprache nicht gleichzusetzen ist mit der der Schulmedizin. Eine Schwäche der genannten Organe kann selten bildgebend bestätigt werden. Es sei denn, die Erschöpfung hält sehr lange an, so dass es zu Nieren- oder Gallensteinen kommt. Auch in einem normalen Blutbild, vor allem einem kleinen, wird eine solche Diagnose meist nicht bestätigt, wobei es bei ausgeprägter Erschöpfung durchaus dazu kommen kann, dass Leber-, Nieren- und/oder Schilddrüsenwerte erhöht sind. 

Author: Alexander Mallok
Tags: Osteopathie