Gleichgewicht durch Osteopathie
Die osteopathische Philosophie: den Menschen ins Gleichgewicht bringen
Viele der Patienten kommen mit der Idee in die Praxis, dass ich Ihre unbeweglichen Gelenke knacke, verkürzte Muskeln dehne oder Verspannungen wegdrücke. Ein Teil der osteopathischen Therapie bezieht sich tatsächlich auf den Bewegungsapparat. Aber die Philosophie hinter der osteopathischen Idee geht darüber hinaus: Osteopathie soll den Menschen in ein Gleichgewicht bringen, das Selbstheilung ermöglicht. Dieser Zustand der Homöostase ist es, die der Osteopath in seiner klientenzentrierten Arbeit anstrebt. Dazu sucht der Osteopath im Körper nach Ressourcen, nach Gesundheit. Und Funktionsstörungen, die den Menschen von seiner optimalen Heilungsfähigkeit abhalten. Um per Definition gesund zu sein soll der Mensch frei sein von körperlichen oder geistigen Symptomen. Hier deutet sich schon an, dass eine ganzheitliche Therapie die seelisch-geistige oder gar spirituelle Ebene mit einschließen muss. Aber kann die Osteopathie das überhaupt?
In diesem Artikel werde ich dir erklären, warum die Osteopathie dazu bestens geeignet ist.
Mühelose Gesundheit – automatisierte körperliche Prozesse
Der menschliche Körper strebt nach einem Zustand müheloser Gesundheit. Das heißt er will Energie konservieren – und zwar in jedweder Beziehung. Um diesen energiesparenden Zustand zu erreichen sind viele Prozesse des Körpers automatisiert. Du musst nicht darüber nachdenken, dass gegessene Brötchen zu verdauen. Die Magensäureproduktion hochzufahren, die Gallenflüssigkeit und Bauchspeicheldrüsenflüssigkeit im richtigen Moment abzugeben oder den Speisebrei weiter durch den Magen-Darm-Trakt zu schieben. Aber warum ist das so? Weil du über ein vegetatives oder autonomes Nervensystem verfügst, das bestmöglich angepasst ist, diese Aufgaben des Unterbewussten zu übernehmen.
Das Unbewusste
Das menschliche Nervensystem verfügt über ca. 1 Billion Zellen und 100 Milliarden Neuronen. Nur ein Teil davon dient dem menschlichen Bewusstsein. Gleichsam werden beständig Signale durch den gesamten Körper gesendet, um Zustände zu erfassen, zu kommunizieren, mit Soll-Zuständen abzugleichen und Anpassungen vorzunehmen. Blutdruck, Herzschlag, Atmung, Temperaturanpassung durch Schwitzen, all das sind unwillkürliche Prozesse, die auf Ebene des vegetativen Nervensystems geregelt werden. Das vegetative Nervensystem regelt die allermeisten lebensnotwendigen Prozesse des menschlichen Körpers über automatisierte Reiz-Reaktionsverknüpfungen, sogenannte Reflexe. Tritt Umstand a) ein, so passiert automatisiert Reaktion b). Ein Beispiel dafür ist das Schwitzen an einem heißen Tag: Steigt die Temperatur, wird die Schweißbildung nach oben geregelt. Dass du nicht darüber nachdenken musst vereinfacht diese Prozesse ungemein und gibt deinem Bewusstsein den Freiraum, den es für seine Arbeit benötigt. Im Gegensatz dazu ist das Unbewusste also ein Ausführungs- und kein Denkorgan.
Das Bewusste
Das Bewusstsein ist der Ort der bewussten Wahrnehmung und des Denkens. Komplexe sensorische Reize, die zumeist über unsere primären fünf Sinne wie sehen oder hören vermittelt werden, werden wahrgenommen und hinsichtlich ihres Wertes für unser Überleben evaluiert. Ja, richtig gelesen: In erster Linie dient unser Bewusstsein der Sicherheit unseres Daseins. Die Wahrung dieser Sicherheit und der Bedürfnisse unseres Körpers spielt daher die übergeordnete Rolle für unser Bewusstsein. Es ist ein Meister darin, Gefahren zu erkennen und darauf zu reagieren. Zumeist reagiert es, indem es im richtigen Moment die Verantwortung an das Unterbewusstsein abgibt. Gleichsam bewertet das Bewusstsein ständig den Nutzen unserer Handlungen, um erfolgreiche Lösungsstrategien zu erkennen und im Unterbewusstsein abzuspeichern. Daraus werden dann Automatismen, die wiederum energiesparend bei gleichen oder sehr ähnlichen Aufgabenstellungen zum Erfolg der Handlung führen werden. Das Denken ist auf die Lösung komplexer Probleme ausgerichtet. Das Bewusstsein ist also ein Denk-, aber nicht unbedingt ein Ausführungsorgan.
Funktionsstörungen Teil 1
Um seine Aufgaben durchführen zu können benötigt das vegetative Nervensystem Ist-Werte und den Abgleich mit zentral gespeicherten Sollwerten. Genau hier kommen Funktionsstörungen ins Spiel, die Erhebung oder Abgleich solcher Messwerte stören. Es gibt Mechanorezeptoren, die auf den Körper von außen einwirkende mechanische Kräfte messen und dem sensorischen Teil des Hirns vermitteln. Sie werden z.B. bei einem Schlag gegen den Körper aktiv. Es gibt Chemorezeptoren, die im Körper ablaufende chemische Prozesse überwachen, z.B. die Überwachung von genügend Sauerstoff in unseren Blutbahnen. Und Propriozeptoren, die quasi als „sechster“ Sinn unsere Orientierung im Raum überwachen durch Eigenwahrnehmung aus Muskeln, Sehnen und Gelenkkapseln. Funktionsstörungen in Muskeln, Sehnen oder Gelenken können also die Propriozeption empfindlich stören. Dies kann eine zu hohe oder zu niedrige Spannung in einem dieser Teile sein oder eine Verkürzung oder plötzliche unerwartete Längung, z.B. bei einem Tritt ins Leere. Auch Bewegungsverluste in einem Gelenk können die Propriozeption negativ beeinflussen.
Funktionsstörungen Teil 2
Interessanterweise hat dieser Funktionsverlust eine komplexe neurologische Verschalung zur Folge. Stimulierte Schmerzfühler, sogenannte Nozizeptoren, lösen auf neurologischer und chemischer Ebene Prozesse aus, die zu einer Umverteilung von Blut führen. Weg von den inneren Organen hin zur Peripherie, dem Bewegungsapparat. Diese Umverteilung von Nährstoffen und chemische Hemmung weiterer Schmerzfühler hat einen ganz praktischen Hintergrund. Im Falle einer Verletzung flüchten oder kämpfen zu können und möglichst wenig vom Schmerz zu spüren. Was im Fall der akuten Verletzung durch einen Bären sinnvoll sein kann ist in dem Moment des Verhebens beim Aufräumen des Kellers eher ungünstig. Und bleiben die Funktionsstörungen, z.B. im Falle einer antrainierten Haltungsstörung, dann können die oben genannten Folgen über die Probleme des Bewegungsapparates hinausgehen, wie du dir leicht vorstellen kannst.
Der Kreislauf funktioneller Probleme anhand eines Beispiels
Um ein Beispiel zu geben: Wenn ich mich beim Tennis oder Golfsport so im Becken verdrehe, dass eines meiner Kreuzdarmbeingelenke „einrastet“, dann entsteht nicht nur ein akuter Schmerz im unteren Rücken. Der Körper wird versuchen, sich gegen die akute Verletzung zu schützen und spannt alle mit dem betroffenen neurologischen Segment assoziierten Muskeln an. Dieser überhöhte Muskeltonus an sich wird sich als Funktionsstörung weiter auswirken, weil die daueraktiven Muskeln irgendwann nach Sauerstoff lechzend übersäuern und in der von ihnen gebildeten Milchsäure förmlich ertrinken. Was wiederum Schmerzfühler reizt und zu Muskelschmerzen führen wird. Des Weiteren wird die Irritation des Kreuzdarmbeines dazu führen, dass die unteren Nervenknoten unseres sympathischen Grenzstranges erregt werden. Es wird dann zu einer Umverteilung des Blutes aus dem kleinen Becken, dem Darm und der Nierenregion hin zu den Muskeln der unteren Extremität kommen, also den Ober-, Unterschenkel und Fußmuskeln. Hält die Blockade länger an, so werden die genannten Organe, die allesamt auf die Durchblutung angewiesen sind, früher oder später selber funktionelle Probleme erleiden. Frag dich einfach, wie eine Niere gut funktionieren soll, wenn sie nicht vollumfänglich durchblutet wird. Oder eine Gebärmutter. Vielleicht liest du dazu gerne mehr in diesem Artikel.
Funktionsstörungen und Osteopathie
Insofern stellt die osteopathische Therapie erst einmal den Versuch dar, diese Funktionsstörungen zu identifizieren und, ausgehend von der zentralen Störung, zu beseitigen. Manchmal ist dies aber nicht möglich, z.B. weil der Körper sich an bestimmte Funktionsstörungen schon bestens angepasst hat. Wir nennen dies Kompensation. Es ist aus Sicht der Osteopathie weder wünschenswert noch sinnvoll, auch nur den Versuch zu unternehmen jede Funktionsstörung zu beheben. Sondern ressourcenorientiert die Kompensation des Körpers in jedwede Richtung zu verstehen und zu unterstützen. Gerade im Falle von Erkrankungen innerer Organe „checken“ wir Osteopathen, ob und wie es in diesem Zusammenhang zu Funktionsstörungen im Körper gekommen ist. Und ob unserem Patienten diesbezüglich die Kompensation abhanden kam. Und wie wir den Körper dazu bringen, wieder besser zu kompensieren. Wenn du magst, dann lies hier einmal mehr über solche Verknüpfungen im Kontext der osteopathischen Behandlung des Herzens.
Heilung auf allen Ebenen
Erreichen Osteopath und der Patient dieses Ziel, so reduzieren sich also Funktionsstörungen, und die Kompensationsfähigkeit wird verstärkt. Dies hat einen enormen Einfluss auf die schon erwähnte Homöostase, die körperliche Harmonie. Selbstheilungskräfte werden freigesetzt, die zuvor gebunden waren oder verhindert wurden. Biochemische Prozesse werden in Gang gebracht, verletzte Gewebe frisch durchblutet und mit Sauerstoff- und Nährstoffen versorgt. Der Körper heilt. Und zwar zum Teil so tiefgreifend und nachhaltig, dass dies für den Patienten auch eine metaphysische Komponente beinhaltet. Denn es geht ja um langanhaltende Veränderungen auf Ebene der Gewebe, also des Nervensystems, des Bewegungsapparates und der inneren Organe. Ohne chemische Einmischung von außen, ohne Unterdrückung von Funktionen. Dies kann für den Patienten also auch seelisch-geistig einen gehörigen Einfluss haben, zumal osteopathische Techniken selbst auf das Überbewusstsein einen Einfluss haben können, wenn du den Lehren der biodynamischen Osteopathie folgst.
Würde ich dir eine osteopathische Behandlung empfehlen, um in dein inneres und äußeres Gleichgewicht zu kommen? Unbedingt! Denn eine osteopathische Intervention oder Therapie zielt darauf ab, Heilung im Gegenüber anzustoßen und damit vielmehr Gesundheit in den Mittelpunkt zu stellen als Krankheit. Wenn du mehr darüber wissen möchtest oder Lust bekommen hast, dich einmal in osteopathische Behandlung zu begeben, besuche mich und meine osteopathischen Kollegen/- innen gerne an meinem Wirkungsort.
Dein Osteopath und Gesundheitscoach Alexander Mallok